Der Knielinger Museumsverein beim 41. Offenauer Kornlupferfest

Vom 22. bis 24. Juli feierte die 2760 Einwohner zählende und erstmal urkundlich 767 im Lorscher Codex erwähnte Gemeinde Offenau bei Heilbronn ihren 1250. Geburtstag.


Bärtige Erntehelfer aus dem Badischen

Allgeier - Bauernwagen mit Wasserfass

Rote IHC aus Neuss am Rhein

Dreschgemeinschaft Dühren

Ködel & Böhm Kleindreschmaschine

Gleichzeitig wurde das traditionelle 41. Kornlupferfest veranstaltet, im Grunde eine Art Erntedankfest, aber dieses Jahr war mit dem 1250. Jubiläum ein besonderes Jahr. Nun, wie kam der Knielinger Museumsverein zu dieser Jubiläumsfeier? Thomas Müllerschöns Bruder Johannes ist ein Offenauer und sehr aktiv in der Gemeinde. Er kontaktierete uns vor einem Jahr bezüglich unserer Teilnahme am Kornlupferfest mit unserer Ködel & Böhm Kleindreschmaschine. Wir sagten natürlich zu, denn es war die Gelegenheit, unseren Verein mit seinen Aktivitäten außerhalb von Karlsruhe zu präsentieren.

Kornlupfen und Dreschen
Wie kam es eigentlich zu dem Spitznamen Offenauer Kornlupfer?
In der Offenauer Aue, (Jagstfelder – Wimpfener Weg), wo später Spargeläcker waren und heute große Logistikhallen stehen, wuchs früher immer hohes Korn (Roggen). Für die damaligen Bauern der Nachbargemeinden war die Höhe des Kornes an dieser Stelle immer ein Rätsel. Es war für sie unerklärlich, dass Korn ohne besondere Behandlung, (damals gab es noch keine Kunstdünger) eine solche Höhe erreicht. Sie schauten neidisch auf die Kornfelder und vermuteten, dass die Offenauer Bauern nachts auf die Felder gehen und das Korn lupften. Der eigentliche Grund, dass der Roggen wirklich so hoch wurde, kam durch den leichten und sandigen Ackerboden und wenn es, wie die Offenauer sagen, alle Vesper dazu regnet, dann erreicht das Korn eine solche Höhe. Aus dem langen Roggenstroh wurden Strohseile gefertigt, um die Getreidegarben zusammenzubinden.
Einzelne alte Offenauer Landwirte erinnerten sich noch an Erzählungen ihrer Väter, dass die Offenauer in Notzeiten das Getreide schneller zur Reife brachten, indem sie tatsächlich das Korn etwas lupften. Die dadurch entstandene Notreife diente dazu, dass wieder etwas zum Essen zur Verfügung stand.

Am Freitagnachmittag, als unsere Ködel & Böhm Kleindreschmaschine sowie der Allgaier A22 und ein Holzackerwagen mit Wasserfass auf den Anhängern verladen und verzurrt waren, machten wir uns auf den Weg nach Offenau. Erst am Samstag wurden die Anhänger abgeladen und die Dreschmaschine aufgestellt. Die Jubiläumsfeier begann am späteren Nachmittag mit dem Einmarsch der beteiligten Gruppen und Vereine auf dem Festgelände am Neckarufer. Johannes Müllerschön fuhr mit dem Allgaier und dem angehängten Ackerwagen, das zuvor mit Wasser aufgefüllte Fass wurde nach und nach entleert, manche haben schon nasse Füße bekommen. Anschließend wurden alle teilnehmende Gruppen begrüßt, besonders die „vagabundierenden und bärtigen Erntehelfer aus dem Badischen“. Mit dem Fassanstich und Freibierausschank konnte die Jubiläumsfeier beginnen.
Sonntagmorgens kamen fünfunddreißig historische Alt- und Youngtimer Traktoren und wurden auf dem dafür vorgesehenen Platz aufgestellt, die Marke IH-McCormick war sehr gut repräsentiert. Ein Lohnunternehmer aus dem benachbarten Bad Rappenau hatte einen restaurierten Mähdrescher Typ M103 Baujahr 1962 der Marke Claeys nach Offenau gebracht. Damit war die Evolution der Getreideernte und vor allem des Getreidedrusches anschaulich gemacht.     
Nach dem Mittagessen konnten sich die Getreidedrescher ins Szene setzen: zuerst die Dreschgemeinschaft Dühren aus Sinsheim-Dühren: sie führten das Korndreschen mit Dreschflegeln schön im Takt, wie es vor 100 Jahren häufig in den Höfen praktiziert wurde. Danach folgten die „vagabundierenden und bärtigen Erntehelfer aus dem Badischen“ mit Thomas Müllerschön, Andreas Müllerschön, Tilman Zahn und Etienne Gentil; Johannes Müllerschön kommentierte fachmännisch das Geschehen. Nachdem der Allgaier mittels Zündpapier angekurbelt wurde, legte man den Antriebsriemen für die Dreschmaschine auf die Riemenscheibe und als die Dreschmaschine zu singen begann, d.h. ausreichende Drehzahl hatte, konnte man die Weizengarben einlegen. Die Säcke füllten sich zunehmend mit sauberem Weizen. Das Dreschen sowohl mit den Dreschflegeln als auch mit der historischen Dreschmaschine wurde dreimal vor den zahlreichen Zuschauern vorgeführt.
Anschließend wurden Traktor, Dreschmaschine und Ackerwagen wieder verladen und wir fuhren durch den Kraichgau zurück nach Karlsruhe-Maxau. Schließlich hatten wir zwei tolle Tage in Offenau verbracht.

Etienne Gentil