Das Kinderkarussell des Knielinger Museums
Seit Anfang 2008 ist der Förderverein Knielinger Museum e.V. Eigentümer eines Kinderkarussells, aber nicht irgendeines Karussells, das von einem Elektromotor angetrieben ist, sondern von einem Traktor über die Zapfwelle. So ein Karussell ist, soviel wir wissen, einmalig in Deutschland oder vielleicht sogar in Europa.
Die Entstehungsgeschichte des Kinderkarussells
Walter Braig, der Erbauer, gehörte seit dem ersten Hof- und Erntefest 1994 auf dem Hofgut Maxau zum Stammpersonal der Feldaktivitäten. Gegen Ende der 1990er Jahre kam zum Hoffest ein Schausteller mit einem kleineren Kinderkarussell, das sich zusammenklappen ließ und von einem Auto wie ein Anhänger befördert wurde. 1999 war dieser Schausteller zum letzten Mal auf dem Hofgut und kam nicht mehr wieder.
Als wir das Jahr danach zur Vorbereitung des Hoffestes zusammenkamen, informierte uns Walter Braig, dass er ein Karussell bauen wollte und wir waren gespannt. Natürlich, wer Walter Braig kannte, wusste, dass er ein Tüftler war. Im Jahr 2000 nahm das Projekt Karussell Fahrt auf, denn Walter Braig war öfter Gast bei Schrotthändlern und betrieb Wiederverwertung. Das Chassis mit Achse und Deichsel mit Auflaufbremse zum Beispiel, stammte von einem Anhänger der Firma Hahn aus Stuttgart und war 1962 zum ersten Mal zugelassen. Ich besuchte Walter in seinem Schuppen in Bulach und stellte fest, dass das Projekt ziemlich konkret wurde, aber so einfach, wie Walter es sich vorgestellt hatte, war es doch nicht. Die Schwierigkeiten lagen hauptsächlich in der Endübersetzung für den Antrieb der Plattform, was bei einem Kleinkinderkarussell genormt ist und sechszehn Umdrehungen pro Minute nicht überschreiten darf. Um das zu schaffen, fand Walter ein Schneckengetriebe von einer Betonmaschine der Fa. Putzmeister. Als Antrieb hatte Walter einen Schmalspur Holder A12. Zum Probieren legten wir Schrauben in eine Schachtel auf die Plattform, die noch nicht belegt war. Die Schrauben flogen nach außen; dann hieß es Nachsitzen, es wurde mit einem Opel-Rekord-Getriebe wieder probiert: das war schon besser aber noch nicht das Ziel. Dann machte Walter einen Ausflug zu seinem favorisierten Schrotthändler in Durmersheim und wurde fündig: ein Reduziergetriebe mit Geländegang von einem Lada Niva löste das Problem und die Bestückung des Karussells wurde in Angriff genommen. Was alles auf dem Karussell fuhr (Fahrräder, Tretschlepper, Bobbycar etc.) stammte hauptsächlich vom Sperrmüll. Von vornerein war alles so konstruiert, dass man beide Seiten des Karussells hochklappen konnte ohne etwas auszubauen, die Ausnahme ist das Pferd.
Das Karussell dreht seine ersten Runden
Als das Braig-Kinderkarussell einsatzbereit ist, wird es zunächst in kleineren Kreisen und bei Vereinsfesten in Karlsruhe betrieben. Walter Braig ist zunächst vorsichtig und will mal sehen, wie es sich entwickelt. Dann wagt er eine Zulassung für den Betrieb bei größeren Festen und vor allem bei Traktorentreffen in der Region und auch in der Pfalz wie zum Beispiel in Heuchelheim-Klingen. Im Jahr 2003 erteilt der TÜV Süd Walter Braig eine Bescheinigung für den Betrieb seines Kinderkarussells.
Dann gibt es kein Halten mehr: Walter Braig baut sich einen Tieflader, auf den er das Karussell lädt und mit seinem Traktor, ein rumänischer UTB, zieht. Für den Antrieb sorgt ein Holder A12 auf dem das Untersetzergetriebe direkt an der Dreipunkt-Aufhängung angebaut ist. Für Walter Braig ist kein Weg zu weit, auch der Weihnachtmarkt in Calw gehört zu den Orten, an denen Walter sein Karussell drehen lässt.
Auch bei den Ernte- und Hoffesten des Knielinger Museums ist Walter präsent, wo das Karussell für Begeisterung bei den Kleinen sorgt. Aber auch die Erwachsenen sind interessiert und staunen über die geniale Konstruktion. Inzwischen hat Walter Braig das Untersetzergetriebe auf einer Stahlplatte angebaut, die am Rohrrahmen der Zugdeichsel angeschweißt ist. Somit kann auch Hans Lorenz das Karussell mit seinem Traktor betreiben. Im Dezember 2007 kurz vor Weihnachten stirbt Walter Braig kurz vor seinem 80. Geburtstag. Er ist auf dem Friedhof in Bulach beerdigt.
Der Förderverein Knielinger Museum wird Eigentümer des Karussells
Hans Lorenz und Georges Moog waren eng mit Walter Braig befreundet und Frau Braig beauftragte sie, seine Traktoren, er hatte noch sechs Stück, und das Karussell zu verkaufen. Hans Lorenz bot dem Förderverein das Karussell und den Allgaier A22 an und der Vorstand stimmte umgehend zu, so dass wir im Andenken an Walter Braig das Karussell ab 2008 auf Festen und nach Anfragen einsetzten.
In siebzehn Jahren laufender Betrieb sind regelmäßige Wartungsarbeiten notwendig. Wo mechanische Teile in Bewegung sind, ist auch Verschleiß und das Karussell-Team des Vereins kümmert sich darum und sorgt dafür, dass das Karussell noch lange Freude bereitet. Seit 2024 wird das Karussell für den Transport nicht mehr hinter dem Traktor angehängt, sondern auf einem eigenen Autotieflader transportiert.
Zum Karussell-Team gehören: Manfred Ohmer, Hendrik Schönthal, Andreas Titelius, Claudia Titelius, Elisa Arteaga und Etienne Gentil.
Text und Bilder Etienne Gentil
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