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Die Drucker-Werkstatt

Im Knielinger Heimatmuseum, gegründet 1992 durch das Pächterehepaar des Hofgutes Maxau Ute und Thomas Müllerschön, befindet sich neben zahlreichen Exponaten und Modellen zum Thema Rhein, landwirtschaftlichen Geräten und Utensilien sowie Zeugnissen alter Handwerksberufe auch als Besonderheit eine Drucker-Werkstatt.

Hier sind Arbeitsplätze und Maschinen aus der Zeit des Buchdrucks und Bleisatzes zu sehen, teilweise noch in voller Funktion.

Zu den Gründungsmitgliedern des Museums gehörte auch der Knielinger Heinz Kühn, der in seiner aktiven Zeit auch Betriebsratsvorsitzender bei der Druckerei G. Braun war. Er legte den Grundstein für die heutige Drucker-Werkstatt. Seiner Initiative ist es verdanken, dass ein Großteil der Schriften, Regale, Werkzeuge und Utensilien aus der Druckerei für das Museum gesichert werden konnte.

Die älteste Druckpresse im Museum ist die „Dinglersche Kniehebelpresse“, erbaut 1832 in Saarbrücken, und noch immer funktionstüchtig. Auf dieser Presse wurde bis in die 1980er Jahre in der Großdruckerei G. Braun täglich hunderte Korrekturabzüge hergestellt. Durch die Umstellung der Druckereien auf Fotosatz und Offsetdruck wurden diese und andere Maschinen nicht mehr benötigt und so erhielt das Museum die Möglichkeit, sie als Spende zu übernehmen. So wurde die Zeilensetzmaschine „Linotype“, Baujahr 1910, und der „Victoria-Tiegel“, Baujahr 1930, von der Goldstadt-Druckerei in Pforzheim zur Verfügung gestellt. Der „Original-Heidelberger-Tiegel“ stammt aus der Druckerei Miersch in Karlsruhe. Er war eigentlich für das Pfinzgaumuseum in Karlsruhe-Durlach vorgesehen, passte dort aber nicht durch die Türe fand deswegen in der Drucker-Werkstatt im Knielinger Heimatmuseum seinen Platz.

Im Jahre 2016 wurden für die Maschinen elektrische Anschlüsse hergestellt, so dass diese auch in Funktion präsentiert werden. Lediglich die Setzmaschine Linotype kann keine Bleizeilen gießen, dann zum Schmelzen von Blei im Gießkessel der Maschine benötigt man Starkstrom, Wasser zum Kühlen der Bleizeilen und damit auch Abwasser-Anschlüsse, das ist im Museum nicht realisierbar. 

Außerdem hat die Drucker-Werkstatt noch 5 Boston-Tiegel von verschiedenen Spendern, einfache Druckpressen mit Handbetrieb, die sich aber besonders zur Präsentation des Druckprozesses eignen. 4 Setzregale mit verschiedenen Schrifttypen in unterschiedlichen Schriftgrößen sind auch vorhanden. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass im Bleisatz für jede Schriftgröße ein eigener Schriftsatz und damit auch ein eigener Setzkasten benötigt wird.

Im Jahre 2015 hatte dann Jürgen Groß Kontakt mit Frau Müllerschön und er organisierte, dass zum Tag der offenen Tür einige Kollegen der ehemaligen Druckerei G. Braun in der Drucker-Werkstatt des Museum tätig waren. Die Gruppe nannte sich „Pachulken“, wie in einigen Gegenden die einfachen Helfer in der Druckerei genannt werden. Sie pflegen die Maschinen, erstellen gegebenenfalls auch kleinere Druckerzeugnisse und halten insgesamt „die Bude sauber“.

Während der Öffnungszeiten des Museums sind die Pachulken auch präsent, um den Besuchern die Gegebenheiten des Bleisatzes und die Funktion der Maschinen zu erklären. Für den Thementag „Druck“ werden zum Beispiel auf dem Heidelberger Tiegel mehrfarbige Drucke erzeugt, die Setzmaschine soll auch zeitweise in Funktion zu sehen sein und auch der Satz von Bleilettern aus dem Schriftkasten wird demonstriert. Leider wird die Anzahl der Aktiven, die diese Kunstfertigkeiten noch beherrschen, altersbedingt immer kleiner. 

 

Jürgen Weber



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