Handwerker im Museum
Im Rahmen der Thementage im Knielinger Museum stand bei uns am So, 13.07.2025 alles im Zeichen der historischen Handwerke. Wir wollen ein lebendiges Museum sein und sind auch stolz darauf, dass viele unserer Ausstellungsstücke noch funktionieren – obwohl sie teilweise schon über 100 Jahre alt sind.
Historische Handwerke waren in früheren Zeiten in jedem Ort vorhanden und natürlich gab es auch in unserem Knielingen eine Vielzahl kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir in unserem Museum versuchen, diesen Teil der Ortsgeschichte zu bewahren, indem wir dem Handwerk eine entsprechende Ausstellungsfläche widmen.
An unserem Thementag konnten wir folgende Handwerke vorführen und erklären:
- Dorfschmied: Der aus den Medien bekannte Schmied Timo Eigenmann brachte seine mobile Schmiede ins Museum und hat vorgeführt, wie mit geschickten Hammerschlägen aus einem unförmigen Brocken glühenden Eisens filigrane Kunstwerke entstehen. Timo kann aber auch große Dinge schmieden: in seiner Werkstatt in Neureut entstehen z.B. Klöppel für die größten Kirchenglocken Europas.
- Das Handwerk des Landmaschinenmechanikers ist auch schon ganz schön alt. Ging es doch aus dem Dorfschmied hervor, der früher nicht nur Nägel und Hufeisen hergestellt hat, sondern auch Mistgabeln, Sensen und Pflüge. Unser Mitglied Etienne Gentil hat dieses Handwerk noch von der Pike auf erlernt und konnte vorführen, wie man heute historische Landmaschinen pflegt, wartet und repariert. So mancher interessierte Besucher hat dabei noch einen Kniff für den Oldtimer zu Hause mitgenommen.
- Zimmermann: Die Zimmerei Eberlein und Rappsilber brachte Holz und Werkzeug mit, um dem staunenden Publikum zu zeigen, wie man aus einfachen Holzbalken komplizierte Fachwerkhäuser bauen kann. Hier war auch Mitmachen angesagt. Markus Weiß und Adrian Maier ließen Groß und Klein ausprobieren, wie man mit der Säge umgehen muss, um präzise Holzverbindungen zu erstellen.
- Sattlerei: In unserer historischen Sattlerei hat Miriam Ohmer vorgeführt, dass dieses alte Handwerk ganz und gar nicht vergessen ist. Miriam ist eine waschechte Knielingerin und eines der jüngsten Museums-Mitglieder. Sie hat gerade das zweite Lehrjahr zur Pferdesport-Sattlerin abgeschlossen – und in ihrem Ausbildungsbetrieb, der Meistersattlerei Jamari im Odenwald, herrscht rege Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Am Thementag zeigt sie, wie durch die Technik des Punzierens beeindruckende kleine Kunstwerke aus Leder entstehen.
- Schuhmacherei: Für einen Außenstehenden ist das Handwerk des Schuhmachers sehr ähnlich wie das Handwerk des Sattlers. Arbeiten sie doch beide mit Leder. Auch in unserem Museum sind die beiden Handwerke räumlich eng beieinander. Die Schuhmacherin Katrin Hartmann führte vor, wie aus Leder wertvolle Schuhe entstehen, wie man gute Schuhe durchaus auch reparieren kann und mit welchen Werkzeugen und Techniken man hier arbeitet, um meisterliche Ergebnisse zu produzieren.
- Schreiner: Der Schreiner-Lehrling Imre Asch führte in unserer historischen Schreinerei an einer alten Hobelbank vor, wie der geschickte Handwerker ohne Maschinen-Einsatz stabile und schöne Holzverbindungen herstellt: Das Zinken ist eine alte Technik, die bis heute Bestand und Relevanz im Holzhandwerk hat. Das Handwerk des Schreiners ging ursprünglich aus dem Handwerk des Zimmermanns hervor. Durch den Einsatz von speziell entwickelten Werkzeugen und Techniken wurde das Ergebnis aber filigraner und haptisch hochwertiger.
- Töpferei: Aus weichem Ton werden praktische Gebrauchs- und Ziergegenstände. Unter der fachkundigen Anleitung von Adelina und Johannes Kutterer konnten unsere großen und kleinen Gäste erste Gehversuche mit diesem Werkstoff machen, der später nach der Formgebung noch einige Schritte wie Trocknen, Brennen, Glasieren usw. durchlaufen muss, bis ein fertiges Werkstück entsteht. Unser Museum zeigt auch eine große Sammlung aus Ton- und Keramikgegenständen, die in Knielingen und Umgebung entstanden sind. Kennen Sie die Verbindung Knielingens zur Majolika? Kommen Sie ins Museum und lernen Sie mehr darüber.
- In einem alten Frisiersalon gab es Sachen zu sehen, von denen man heute nichts mehr an seine Haare lassen würde. Inge Stieber hat lange Jahre in einem solchen Frisiersalon gearbeitet und konnte unseren Besucherinnen und Besuchern zeigen, wie früher Frisuren entstanden sind. Im zweiten Weltkrieg kam es auch mal vor, dass eine Dame ihre Frisur beim Fliegeralarm eingebüßt hat, weil der elektrische Lockenwickel überhitzte und schnell aus den verbrennenden Haaren gerupft werden musste…
- In unserer historischen Druckerei wurde ebenfalls produziert: Unsere Pachulken – so nennen sich unsere gelernten Drucker und Schriftsetzer selbst – konnten alle Maschinen und Geräte zeigen, die sich bei uns im Museum in funktionsfähigem Zustand befinden. Würde Johannes Gutenberg unsere historische Druckerei besuchen: nach wenigen Minuten Orientierung könnte er mit dem Handwerk loslegen, dessen Grundstein er gelegt hat. Ein Pachulke ist übrigens ein Drucker-Gehilfe, der nur niedrige Arbeiten machen durfte… unsere Experten sind also ganz schön bescheiden…
Der Thementag wurde unterstützt und gefördert durch die Handwerkskammer Karlsruhe und die Sparkasse Karlsruhe. Vielen Dank!
Manfred Ohmer
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