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Die Knielinger und Tullas Rheinkorrektur 1817

Johann Gottfried Tullas Pläne zur Rheinkorrektur stießen zum Teil auf heftigen Widerstand in der Bevölkerung. Als es an die Realisierung der ersten Durchstiche an den Rheinschlingen bei Daxlanden und Knielingen ging, geschah etwas Unerwartetes. 

Anfang Juni 1817 rückten Arbeiter an, um mit dem Durchstich zwischen Knielingen und Wörth sowie der Rodung des Waldes zu beginnen, aber sie wurden von etwa 150 Knielingern vertrieben. Die Menschen rebellierten, weil man ihre Bitte um Berücksichtigung der erheblichen Gemarkungsverluste nicht beachtet hatte. Sie verweigerten außerdem die Mitarbeit beim Holzhauen und beim Faschinenbau*.

Ob diese Rebellion am 6. Juni 1817 erfolgte oder ob sie sich, wie in der Knielinger Chronik nachzulesen ist, im September des gleichen Jahres noch entschiedener wiederholte, zeugt vom Stolz der Knielinger „Holzbiere“. 

Sie nahmen die Überrumpelung durch die Bürokratie und den Obersten Tulla nicht hin. Am amtlich dokumentierten 6. Juni 1817 marschierten zwei Kompanien der Leibgrenadiergarde im Dorf ein und erzwangen mit militärischem Druck den Durchstich der Rheinschlinge.  

Sieben Jahre später gewann Oberst Tulla, den die Knielinger bis dahin am liebsten im Rhein ersäuft hätten, die Sympathien der Hardtbauern zurück. Ein gewaltiges Hochwasser schadete den sonst betroffenen Fluren in der Rheinniederung dank der Korrektion nicht mehr. Nun lobte man den Bändiger des wilden Rheins stromauf und stromab. 

Tullas Wahlspruch ist überliefert: „Der Tadel wird vergeh’n; das Gute bleibt besteh’n.

*Faschinen sind walzenförmige Reisig- oder Rutenbündel von einigen Metern Länge, die zur Abwehr von Erosion bzw. Böschungsbrüchen eingesetzt wurden.